Nachtrag: Aufgrund sich häufender Missverständnisse möchten wir von der schampus antifa klarstellen, dass der unten stehende Text von der campus antifa stammt, von dieser jedoch nur in Papierform verbreitet worden ist.

Die Begründung, warum der Text nicht auf der Homepage landet, ist dass dort „Szeneinterna“ behandelt würden und damit eine Veröffentlichung im Internet ein Sicherheitsrisiko sei. Böse Stimmen mögen behaupten, dass der Grund in Wahrheit ist, dass mensch nicht daran interessiert ist, dass der ausgetragene Konflikt bei Gruppen außerhalb Frankfurts zur Kenntnis genommen wird.

Der Grund, warum dieser Text hier also gegen den Willen der campus antifa steht, ist dass wir die Sicherheitsbedenken für unsinnig halten (im Text fallen nicht mal die Namen von irgendwelchen Gruppen oder gar Personen) und gleichzeitig der Meinung sind, dass jede dazu gewillte Person auch die Möglichkeit haben sollte zu lesen, was die campus antifa für einen Müll verbreitet.

Damit sind wir dann auch beim letzten Punkt: Wer den Inhalt des Flugblattes gut findet und ihn für einen sinnvollen Beitrag zur Lösung „szeneinterner“ Probleme hält, der/dem können wir leider auch nicht helfen. Wir empfehlen das Lesen möglichst vieler Bücher und den Verzicht auf jedwede politische Praxis.

Desweiteren ist die schampus antifa keine Abspaltung der campus antifa.

Sackgasse oder Wendepunkt?
Oder
Wer will eigentlich wohin?

„Soweit es auf der subjektiven Seite überhaupt so etwas wie eine Schwelle, wie eine Unterscheidung zwischen dem richtigen und dem falschen Leben gibt, ist sie wohl am ehesten darin zu suchen, ob man blind nach außen schlägt – und sich selber und die Gruppe, zu der man gehört, als Positives setzt und das, was anders ist, negiert – oder ob man statt dessen in der Reflexion auf die eigene Bedingtheit lernt, auch dem sein Recht zu geben, was anders ist, und zu fühlen, daß das wahre Unrecht eigentlich immer an genau der Stelle sitzt, an der man sich blind ins Rechte und andere ins Unrechte setzt.“

Es wäre schön, behaupten zu können, dass es in Frankfurt viele emanzipatorische Projekte und inhaltliche Auseinandersetzungen und ab und zu ein paar Szenezwistigkeiten 1 gibt. Dies entspricht leider nicht ganz den Frankfurter Verhältnissen. Zu oft haben in letzter Zeit die Szenestreitigkeiten das gemeinsame inhaltliche fortkommen be- oder verhindert.
Auch wenn wir hier auf dieselbe Form zurückgreifen, die in der Vergangenheit genutzt wurde, um in unsachlichen und eher verzerrenden als klärenden Darstellungen bestehende Konflikte öffentlich zu machen, ist das Anliegen dieses Briefes ein gänzlich anderes als das Haschen nach Affekten wie Empörung, Wut, Belustigung oder schlichter Verständnislosigkeit.
Im Gegenteil: Die Frage, welche positive Konsequenz ein Hin und Her von polemischen Pamphleten über das Fehlverhalten verschiedenster Akteur_innen im Kontrast zur eigenen Makellosigkeit haben könnte, beantwortet sich für uns recht deutlich mit: keine.
Dies aus zwei Gründen: erstens negiert eine polemische Kritik, die darauf aus ist, „den ,Feind‘ zu besiegen“, eine gemeinsame Basis (hier: ein zumindest in Grundzügen geteiltes Verständnis von Emanzipation und Befreiung), auf der es sich lohnen würde, die vorgetragene Kritik zu beantworten und damit in Dialog zu treten und zweitens ist es Zeitverschwendung, einer Kritik zu begegnen, die sich selbst jeglicher (Gegen-) Kritik enthoben wähnt.
Das längerfristige Anliegen, hinter unserem Vorstoß ist die Suche nach den Möglichkeiten einer breiteren, umfassenderen Zusammenarbeit derjenigen Kräfte, die es mit dem Projekt Freiheit ernst meinen. Und damit sind die Adressat_innen dieses Briefes eben all jene, die die gemeinsame Aufgabe, emanzipatorische Politik zu betreiben, nicht dem Szeneklüngel opfern wollen; nicht aber diejenigen, die glauben, die Wahrheit schon gefunden zu haben, die Freiheit definieren zu können.

Dies bedeutet nicht, dass es abgesehen von der sicherlich dringenden Notwendigkeit der Stärkung und Weiterentwicklung emanzipatorischer Politik nichts miteinander zu besprechen gäbe. Vielmehr verlangt eine solche Weiterentwicklung sowohl eine Reflexion auf den allgemeinen und konkreten Umgang miteinander, als auch auf das gemeinsame politische Ziel, da beides untrennbar miteinander verbunden ist! Der unreflektiert bleibende Umgang miteinander ist sicher an vielen Stellen einer progressiven Zusammenarbeit hinderlich, denn an manchen Punkten haben Leute wohl zu Recht keine Lust, überhaupt eine inhaltliche Auseinandersetzung zu suchen, weil der zu erwartende Umgang miteinander sie bereits abschreckt. Andere scheinen sich zu cool oder auch zu unsicher zu fühlen, um sich mit „fremden“ Positionen rumzustreiten. Hinter oftmals schwammigen und schwer greifbaren gefühlsmäßigen Problemen mit der dann allgemein schwierig scheinenden Situation in Frankfurt, steckt das reale Phänomen, dass offenbar auf vielen Seiten die Einschätzung vorherrscht, dass mensch lieber keine Schwächen zeigen sollte. In diesem Sinne sollten wir uns darüber klar werden, dass unser Verhalten einem aus dem kapitalistischen Alltag bekannten, von Ausschluss und Konkurrenz geprägten Miteinander manchmal näher ist, als den inhaltlich propagierten Ansprüchen, die unsere gemeinsame politische Basis bilden.
Ohne die Verständigung darauf, dass im Hintergrund jeder Kritik und jedes Streits das Primat der Vernunft, genauer: das Ziel des politischen Fortschritts in Richtung Befreiung, stehen muss, scheint es uns geradezu unsinnig und als zeitraubendes Privatvergnügen, persönliche oder eben unter anderen politischen Zwecken und Schwerpunkten stattfindende Zwiste als gemeinsames politisches Problem besprechen oder als progressive Kritik beantworten zu sollen.

Nun, das Anliegen ist klar: Weiterführend kann in der gegenwärtigen marginalen gesellschaftlichen Position der radikalen Linken nur eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung sein, in der wir uns der gemeinsamen Interessen und Ansprüche klar werden und uns darüber verständigen, was die auch hier herangezogenen Begriffe wie Emanzipation, Freiheit und Vernunft konkreter heißen könnten. Dabei sollen Konflikte natürlich nicht verschleiert werden, es geht vielmehr darum, diese nicht identitär aufzuladen. Neben der Vergewisserung derselben Zielrichtung ist die Bereitschaft zur inhaltlichen (Selbst-) Kritik eine der wichtigsten Voraussetzungen des Fortkommens und derzeit gleichzeitig ebenso vernachlässigt oder beschädigt wie erstere. Viel zu oft wurden und werden die eigenen inhaltlichen Schwächen unterschlagen oder frisiert, weil Identität und das politische Ziel einander plötzlich im Wege stehen und zugunsten der erstgenannten die wichtigen Korrekturen der eigenen Position ausbleiben.

Wen allerdings, und wir wissen uns hier nicht allein, die Situation augenfällig zu Ernsthaftigkeit und Tatendrang ruft, kann gar nicht die wenige kostbare Zeit und Energie in anderes Stecken als darein, die eigenen Inhalte und Praxen und die der Anderen zur Disposition zu stellen – auf dass wir daraus – seien wir optimistisch -immer weiter die richtigen Ansätze entwickeln.

…………………….campusantifa.blogsport.de

1 Uns ist durchaus bewusst, dass sich einige so genannte „Kritiker_innen“ nicht zur genannten Szene Zählen, sodass sich aber andererseits die Frage stellt, unter welchen Vorzeichen diese Kritik in die Szene getragen wird, wenn nicht auf Ebene irgendeines oder mehrerer gemeinsamer Grundausrichtungen. Anders gefragt: Woher kommt das Interesse aneinander oder woher soll es kommen?